Psychische Gesundheit

Psychische Gesundheit – Definition der Weltgesundheitsorganisation (2013)

„Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und etwas zu ihrer Gemeinschaft beitragen kann.“

Wie bereits im letzten Newsletter zum Thema „Gesundheit“ dargestellt, kommt neben der körperlichen auch der seelischen Gesundheit eine große Bedeutung zu. Psychisch kranke Menschen leiden! Nicht zuletzt deshalb, weil diese Erkrankungen oftmals noch mit einem Stigma verbunden sind. In den letzten Jahren hat sich hier jedoch vieles getan. Prominente Beispiele rückten den Fokus auf das Leid hinter Depression und anderen Erkrankungen und auch die steigenden Zahlen – sei es durch einen tatsächlichen Anstieg aufgrund veränderter Lebensbedingungen oder eine verbesserte Diagnose – bringen uns zum Nachdenken und Handeln. Arbeitgeber können hier viel zu einer Verbesserung beitragen (dazu mehr in einem der nächsten Newsletter). Aber jede/r Einzelne trägt natürlich zunächst selbst die Verantwortung für die eigene Gesundheit. Hierzu soll in diesem Beitrag Aufklärungsarbeit geleistet und ein entsprechendes Angebot gemacht werden.

Volkskrankheit Depression – Fehlzeiten im Beruf

„Zahl der Fehltage seit dem Jahr 2000 um 137 Prozent gestiegen / Krankmeldungen wegen Depressionen am häufigsten.“ Das meldet die DAK am 15. September 2020 und bezieht sich damit auf ihren aktuellen Psycho-Report.

Bereits im Januar 2020 erschien eine Pressemitteilung der DAK zu den häufigsten Diagnosen, die einer Krankmeldung zugrunde liegen. Danach haben psychische Erkrankungen einen Anteil von 17 Prozent am Gesamtkrankenstand und landeten damit auf Platz 2.

Geht man dann noch davon aus, dass schätzungsweise 16 bis 20 Prozent der Menschen in ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung (Dysthymie) erkranken [1] so sind diese Zahlen angesichts dieser potenziell tödlichen Erkrankung extrem bedenklich.


[1] Depression | Die Volkskrankheit verstehen | Bundesgesundheitsministerium

Burnout – Eine Zusatzdiagnose !?

Bei dem Begriff „Burnout“ handelt es sich nicht um eine medizinische Diagnose. Gemäß ICD 10-GM, dem international anerkannten Klassifikationssystem der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme handelt es sich um die Zusatzdiagnose Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Letztlich überschneiden sich die Symptome teilweise aber mit denen der Depression und etwa jeder sechste Mensch, der sich ausgebrannt fühlt, erfüllt die Kriterien einer Depression. [1]


[1] Burn-out: Symptome, Ursachen, Therapie | Apotheken Umschau (apotheken-umschau.de)

Um nicht psychisch zu erkranken, ist es wichtig, sich bereits präventiv um seine psychische Gesundheit zu kümmern. Solange wir gesund sind! Auch wenn wir noch keinen oder erst einen leichten Anflug einer Beeinträchtigung spüren. Denn das Leiden, das wir uns damit ersparen können, rechtfertigt hier jeden Einsatz. Insbesondere auch anhaltender Stress, der vielleicht über lange Zeit irgendwie kompensiert werden kann, ist ein großer Risikofaktor.

Resilienz – Das psychische Immunsystem

Resilienz hilft uns dabei, mit Krisen umgehen zu können, sie unbeschadet zu überstehen und bestenfalls gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Auch die aktuelle Corona-Pandemie stellt eine (kollektive) Krise dar. Gute psychische Gesundheit kann uns besser da durch helfen…

Der Begriff „Resilienz“ kommt ursprünglich aus der Materialkunde und bezeichnet Stoffe, die in der Lage sind, in ihren ursprünglichen Zustand zurück zu „springen“, zum Beispiel Gummi. Resilienz im Sinne der psychischen Widerstandskraft bzw. des psychischen Immunsystems ist in der Literatur unterschiedlich definiert. Beispielhaft sei hier die Definition von Welter-Enderlin aufgeführt: „Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus, unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen, zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen.“[1] Als Metapher hierfür findet man oft das Stehaufmännchen.

Forschungsgeschichtlich ist Emmy E. Werner als Pionierin der Resilienzforschung zu nennen. Die amerikanische Entwicklungspsychologin wurde mit ihrer über 40 Jahre andauernden Längsschnittstudie auf der Hawaii-Insel Kauai bekannt. Sie begleitete etwa 700 Kinder, die dort 1955 geboren wurden und stellte fest, dass ein Drittel der Kinder, die von den 700 in einem schwierigen sozialen Umfeld aufwuchsen, trotz der vorhandenen Risikofaktoren (ebenfalls) einen stabilen Lebensweg einschlagen konnten. Die Einflussfaktoren, sog. Resilienzfaktoren, die das Risiko von psychosozialen Störungen und Erkrankungen verringern sind – neben angeborenen Eigenschaften – Fähigkeiten, die der Einzelne in Interaktion mit der Umwelt erwirbt und umgebungsbezogene Faktoren.[2] 

Resilienz ist also nichts statisches, über das man entweder verfügt oder nicht, sondern durchaus beeinfluss- und entwickelbar.

Zum Thema Resilienz und der Entwicklung von Resilienz erscheint in Kürze ein Workbook von Businessbar. Abonnieren Sie unseren Newsletter und bleiben Sie auf dem Laufenden.


[1] Welter-Enderlin (2006) zit. nach Buchacher, Kölblinger, Roth und Wimmer (2015), S. 126

[2] vgl. u.a. Wellensiek und Galuska (2014), S. 22

Yoga und Resilienz – Wie Yoga uns stärken kann

Davon ausgehend, dass es eine enge Verbindung zwischen dem Körper und der Psyche gibt, bin ich der Überzeugung, dass diese Faktoren unterstützend durch Yoga (positiv) beeinflussbar sind.

Auch Autor_innen von einschlägigen Büchern [1] zu diesem Thema gehen von einem positiven Zusammenhang zwischen Yoga und Resilienz bzw. der Wirkung von Yoga aus. Im Kontext der Wirkungen der Meditation gibt es hierzu ebenfalls mehr und mehr Forschung.

Dalmann und Soder [2] sehen in Yoga einen Therapieansatz; auch für die psychische Gesundheit. Explizit sprechen sie beispielsweise von Wirkungen auf bzw. im Zusammenhang mit

  • neurovegetative Prozesse (harmonisierend)
  • Stress (reduzierend)
  • psychisches Wohlbefinden und Selbstwirksamkeit (fördernd)
  • Akzeptanz
  • Entwicklung neuer Lösungsstrategien

Eine positive Wirkung im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen, insb. der Depression, gilt mittlerweile als nachgewiesen[3]. Auch Anna Trökes berichtet hiervon.[4]

Im Kontext der Traumabewältigung spielt Yoga ebenfalls eine zunehmende Rolle[5]. Resilienz meint auch die Fähigkeit, mit Krisen umzugehen bzw. gestärkt daraus hervorzugehen. Sozusagen geht es auch hier um posttraumatisches Wachstum.

Nicht zuletzt soll hier der Ansatz von Jon Kabat-Zinn, dem „Begründer“ der aktuellen „Achtsamkeitsbewegung“, genannt werden. Das von ihm entwickelte Konzept bzw. Acht-Wochen-Programm der „Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR)“ wurde von Williams, Teasdale und Segal zur  „Mindfulness Based Cognitive Therapy (MBCT)“ weiterentwickelt[6]. Auch bei MBSR und MBCT finden wir Yoga als Ansatz für Stressreduktion, Therapie und positive Lebensbewältigung.

Wichtige Resilienzfaktoren, die gestärkt und entwickelt werden können sind [7] :

  • Achtsamkeit
  • Akzeptanz
  • Optimismus
  • Zukunftsorientierung
  • Selbstregulation
  • Netzwerkorientierung
  • Selbstwirksamkeitserwartung

[1] vgl. bspw. Wolke (2017)

[2] Vgl. Dalmann und Soder (2013), S. 173

[3] Koch (2014) und Meister, K. und Becker, S. (2018)

[4] Vgl. Trökes (2017)

[5] Vgl. exemplarisch Dunemann, Weiser und Pfahl (2017).

[6] Williams, Teasdale, Segal und Kabat-Zinn (2007)

[7] vgl. Buchacher, Kölblinger, Roth und Wimmer (2015)

Informationen zum Seminar bei Businessbar vom 12. bis 16. April 2021: Yoga&Resilienz – Businessbar.

Mit Klick auf diesen Link können Sie sich ein kleines Gratis-Booklet zum Thema „Resilienz“ im PDF-Format anfordern:

Literatur:

Buchacher, Walter; Kölblinger, Judith; Roth, Helmut; Wimmer, Josef (2015): Das Resilienz-Training. Für mehr Sinn, Zufriedenheit und Motivation im Job ; [I love my job]. Wien: Linde (Linde international).

Dalmann, Imogen; Soder, Martin (2016): Heilkunst Yoga – Yogatherapie heute. Konzepte, Praxis, Perspektiven. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Berlin: Viveka-Verlag.

Dunemann-Gulde, Angela; Weiser, Regina; Pfahl, Joachim (2017): Traumasensibles Yoga – TSY. Posttraumatisches Wachstum und Entwicklung von Selbstmitgefühl. Stuttgart: Klett-Cotta (Fachbuch Klett-Cotta, 291).

Koch, Joachim: Die positive Kraft des Yoga. In: Deutsches Ärzteblatt, 1/2014, S. 23–25. Online verfügbar unter http://www.aerzteblatt.de/pp/lit0114, zuletzt geprüft am 05.04.2019.

Meister K., Becker S.: Yoga bei psychischen Störungen. In: Nervenarzt 2018, S. 994–998.

Trökes, Anna (2017): Yoga bei Depression. Unter Mitarbeit von Nike Schenkl. Freiburg, Basel, Wien: Verlag Herder.

Wellensiek, Sylvia Kéré; Galuska, Joachim (2014): Resilienz – Kompetenz der Zukunft. Balance halten zwischen Leistung und Gesundheit. 1. Aufl. Weinheim: Beltz.

Wolke, Maria (2017): Resilient durch Yoga. Psychische Erkrankungen umfassend behandeln. Paderborn: Junfermann Verlag.

Williams, Mark; Teasdale, John; Segal, Zindel; Kabat-Zin, Jon: Der achtsame Weg durch die Depression. Mit 2 Audio-CDs.

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